Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis…
Mit diesen Worten beginnt eine der größten und großartigsten Weltraumsagas aller Zeiten, die weltweit Millionen von Fans hervorgebracht und dabei den Generationensprung von Jung bis Alt geschafft hat. Es gibt kaum jemanden, der nicht schon die Atemgeräusche von Darth Vader oder die pompöse Eröffnungsfanfare gehört hätte, der die Laserschwertduelle zwischen Luke Skywalker und Darth Vader oder die spannenden Raumkämpfe zwischen X-Wings und TIE-Fightern gesehen hätte, und niemanden, der sich der Faszination des Spruches Möge die Macht mit Dir sein! entziehen könnte.
Was lag also näher, als in diesem wundervollen Universum ein Rollenspiel anzusiedeln und den treuen Fans die Möglichkeit zu geben, in die Haut eines Star Wars Charakters zu schlüpfen und selbst am Krieg der Sterne teilzunehmen?
Zweimal Star Wars?
Wenn man nach Material für das Star Wars Rollenspiel sucht, fällt zuallererst auf, daß es zwei verschiedene Regelwerke gibt, und zwar das etwas ältere Regelwerk von West-End-Games, das auf deren d6-System basiert, und das etwas neuere von Wizard of the Coast, welches selbstverständlich deren d20-System als Basis benutzt.
Ich selbst bin kein Fan von d20 generell und Star Wars d20 im Besonderen, weil ich finde, daß sich gewisse Aspekte von Star Wars eben nicht oder nur mit großen Einbußen im Stufen- und Klassensystem von d20 abbilden lassen.
Daher werde ich hier im Folgenden das Star Wars d6-System vorstellen, welches zwar 1999 offiziell eingestellt wurde, als die Lizenz stattdessen an Wizards vergeben wurde, das aber gerade auch im Internet eine sehr große und treue Fan-Gemeinde hat, welche das System am Leben halten.
Neue offizielle Publikationen sind zwar nicht mehr zu erwarten, aber dafür existieren Seiten im Internet, welche die Spielwerte der d20-Quellenbücher ins d6-System konvertieren, so daß man sich die d20-Bücher wegen den enthaltenen Hintergrundinfos trotzdem kaufen kann. Auf diese Weise bekommt man dann auch Quellenbücher zur alten Republik (Ep 1-3) und zur Buchserie New Jedi Order, während das teilweise als Restposten noch vorhandene d6-Material problemlos die Zeit von Episode 4-6, Shadows of the Empire und auch die Neue Republik gemäß der Romantrilogie Erben des Imperiums von Timothy Zahn abdeckt.
Schlankes, freies Regelwerk
Kommen wir zu den d6-Regeln. Diese sind sehr schlank gehalten und erlauben ein schnelles, actionreiches Spiel, so wie die Star Wars Filme auch schnell und actionreich inszeniert sind. Die Basis sind dabei (wie der Name schon ausdrückt) W6 in unterschiedlicher Zahl, die gewürfelt und addiert werden. Einer davon sollte farblich markiert sein und ist der sog. Wild Die oder Schicksalswürfel: Zeigt er eine 6, darf er weitergewürfelt und addiert werden (solange weiter 6en fallen), zeigt er hingegen eine 1, wird es als Patzer gewertet, der je nach Spielsituation nur einen Würfelabzug oder eine schwerwiegende Komplikation mit sich bringen kann.
Die Charaktergeneration ist sehr einfach und dauert unter 20 Minuten. Das Wichtigste ist, daß der Spieler eine Idee mitbringt, was für einen Charakter im Star Wars Universum er gerne spielen möchte. Ganz unentschlossene können sich dabei auch ein Template aussuchen, von denen 16 im Basisbuch mitgeliefert und durch weitere Bücher ergänzt werden. Wer lieber selbst Hand anlegt, darf seine Attribute natürlich auch selbst verteilen.
Im Wesentlichen geht es darum, 18 W6 auf insgesamt 6 Attribute zu verteilen, wobei 1W das absolute Minimum, 2W menschlicher Durchschnitt, und 4W das Maximum für Anfängercharaktere in einem Attribut darstellen. Die Attribute sind Geschicklichkeit, Stärke, Wahrnehmung, Wissen, Mechanical und Technical.
Geschicklichkeit ist vor allem für körperliche Aktionen wichtig, wenn z.B. gekämpft, geklettert oder geschossen werden soll. Stärke beeinflusst sowohl den austeilbaren Nahkampfschaden, wie auch den Schaden jeglicher Form, den man einstecken kann. Wahrnehmung deckt Sinneswahrnehmung und Charisma ab, z.B. um jemanden zu beschwatzen, zu betören oder zu feilschen. Wissen beinhaltet erworbenes Wissen über die Galaxis, ihre Planeten, Spezies, Raumschiffe, Bürokratie oder auch Dinge wie Gassenwissen, Einschüchterung und Verhör. Eine Besonderheit, die für das Star Wars Universum wie geschaffen ist, sind die Attribute(!) Mechanical (Mech) und Technical (Tech). Während Mech das Talent eines Charakters bezeichnet, Fahrzeuge aller Art zu bedienen, seien es Speederbikes, Kampfläufer, Luftgleiter, Raumjäger oder sogar Sternenzerstörer, dient das Tech-Attribut zur Bestimmung der Reparatur-, Programmier- und Bastelfertigkeit des Charakters, in Bezug auf technische Geräte wie Raumschiffe, Droiden, Sicherheitssysteme oder Computersysteme, sowie zur medizinischen Versorgung von Lebewesen.
Bei der Verteilung der 18W auf die sechs Attribute ist man aber nicht auf die Stufen 1W, 2W, 3W und 4W eingeschränkt, sondern man kann einen oder zwei Würfel auch in jeweils drei sogenannte Blips aufteilen, die jeweils +1 geben. Somit ist eine detailliertere Ausgestaltung des Charakters möglich, indem er z.B. eben 3W+2 oder 2W+1 statt ganzer Ws in einem Attribut erhält. Ein +3 gibt es dabei nicht, denn das wäre bereits der nächste ganze Würfel.
Nachdem die Attribute verteilt sind, bekommt jeder Charakter weitere 7W, um sie in Fertigkeiten zu investieren. Dabei kann eine Fertigkeit maximal 2W bekommen, und diese Ws werden auch nicht in Blips aufgeteilt. Dafür sind die Fertigkeiten direkt einem der Attribute zugeordnet, und man addiert die Würfel und Blips des übergeordneten Attributs zum Fertigkeits-W hinzu, um die Gesamtfertigkeit zu erhalten, mit der man dann würfelt.
Das System ist dabei so flexibel, daß nicht nur vorgegebene, sondern auch eigene Fertigkeiten einfließen können. Was ein Charakter dabei nicht als Fertigkeit beherrscht, kann er automatisch mit dem Wert des zugrundeliegenden Attributs.
Das hört sich nicht nur schnell und unkompliziert an, das funktioniert auch extrem schnell im Spiel.
Faszinierendes Universum
Das Schönste am Star Wars Rollenspiel ist aber zweifelsohne die Möglichkeit, in dieses faszinierende Universum einzutauchen und aufregende Abenteuer inmitten des galaktischen Konflikts zwischen Imperium und Rebellion bzw. Neuer Republik zu erleben. Wer wollte nicht schon immer einmal die verrauchte Mos Eisley Kantina besuchen oder mit dem Landspeeder über Tatooines weite Sanddünen zu flitzen, auf Cloud City mit Lando Calrissian ein Sabaccspiel mit hohen Einsätzen bestreiten, auf Coruscant durch die schier endlosen Straßenschluchten fliegen, auf Endor mit den Ewoks Freundschaft schließen, mit einem dunklen Jedi oder Sith die Lichtschwertklinge kreuzen oder im Cockpit eines Raumfrachters oder X-Wing gegen imperiale TIE-Fighter kämpfen?
Nun, all dies ist im Star Wars Rollenspiel möglich, und noch vieles, vieles mehr. Dank des flexiblen Regelsystems kann man prinzipiell jeden beliebigen Charaktertyp spielen, sei es Schmuggler, Kopfgeldjäger, Rebellensoldat, Geschäftsmann, Bürokrat, Forscher, Scout, Pilot, Handelspilot oder sogar Jedi. Dazu kommt noch die Vielzahl an spielbaren Spezies wie Twilek, Wookies, Ithorianer, Gamorreaner, Mon Calamari, Sullustaner, Ewoks, Jawas oder natürlich Menschen. Selbst Droiden können (unter bestimmten Umständen und mit Einschränkungen) als Spielercharaktere gewählt werden. Für Jedis gelten noch zusätzliche Regeln und Einschränkungen, die an dieser Stelle aber zu weit führen würden.
Als Schauplätze dienen sowohl aus den Filmen (EP1-6) bekannte Planeten, Raumschiffe, Städte und Etablissements oder der Spielleiter greift auf die diversen Star Wars Romane, die Quellenbücher und das Internet zurück, um auch weniger bekannte Locations zum Leben zu erwecken.
Auch die Art der bei Star Wars spielbaren Abenteuer ist recht vielfältig. Egal ob die Charaktere Mitglieder der Rebellenallianz oder Deserteure des Imperiums oder eher freischaffende Unternehmer verschiedener Arten sind, wem das Star Wars Universum zu klein wird, der ist selber Schuld und hat wohl irgend etwas falsch gemacht.
Fazit
Star Wars (d6) ist DAS Rollenspiel für Fans der Filme und Bücher, die mittendrin sein wollen, anstatt nur dabei. Durch den populären Hintergrund und die einfachen Regeln können sich auch Anfänger leicht zurechtfinden, und mit ein klein wenig Hintergrundrecherche kann man leicht den Zauber der Filme auf das Spiel übertragen und das richtige Star Wars Feeling erzeugen.
In diesem Sinne: Möge die Macht mit Euch sein!