Nachdem ich diesen Sommer die Rezension eines Films über Rollenspiel gelesen hatte, konnte ich es kaum erwarten, den Film selber zu sehen.
Story:
Hildur ist ein Society-Girl, dessen Leben sich hauptsächlich um Klamotten, Schminke, Klatsch und Tratsch dreht. Daß ihr Freund, ein erfolgreicher Automakler, offenbar Dreck am Stecken hat, wird ihr erst bewusst, als er wegen Steuerhinterziehung verhaftet wird und sie mittellos auf der Straße sitzt. Auch ihre sogenannten Freundinnen aus der High-Society wollen plötzlich nichts mehr mit ihr zu tun haben.
In ihrer Not nimmt sie einen Job in einem Comic- und Rollenspielladen an, dem „Astropia“. Dieser ist sozusagen die zweite Heimat der Nerds und so treffen zwei gegensätzliche Welten aufeinander. Doch Hildur lässt sich nicht entmutigen und schafft es, den Laden auf Vordermann zu bringen. Zum Dank lädt der Ladenbesitzer sie zu einer Rollenspielrunde ein, damit sie auch kennenlernt, was sie den Leuten verkaufen soll. Wider Erwarten findet sie Gefallen daran und findet neue Freunde. Doch dann bricht ihr Ex-Freund aus dem Knast aus…
Meinung:
Filme über Rollenspiel oder Rollenspieler gibt es mittlerweile zwar einige, jedoch thematisieren die meisten eher die düsteren Aspekte wie den drohenden Realitätsverlust von geistig labilen Spielern (s. „Labyrinth der Monster“ oder „Heart of the Warrior“). Da ist es sehr erfrischend, einmal einen Film zu sehen, der das Rollenspiel als positiven Ansatz darstellt, um Konflikte auszutragen, Kreativität umzusetzen und – anders als bei den eingangs erwähnten Beispielen – daraus fürs Leben zu lernen. Eingebettet ist das Ganze in eine leichte Komödie, so daß auch Normalsterbliche den Zugang zum Film finden dürften.
Hier liegt dann auch einer der hauptsächlichn Kritikpunkte des Films: Er will alle Arten von Publikum ansprechen, sowohl Rollenspieler, die an den unzähligen Anspielungen auf mehr oder weniger bekannte Details ihres Hobbies ihre Freude haben werden, sowie das unbedarfte „Normalpublikum“, welches zumindest einen groben Einblick in die Rollenspielszene bekommt und feststellen kann, daß Rollenspieler eigentlich auch ganz normale Menschen sind. Hier wäre meines Erachtens noch etwas mehr Tiefe drin gewesen, auch ohne die Nicht-Rollenspieler zu überfordern.
Was sehr gut gelungen ist, sind die Szenen, wo das eigentliche Spiel an sich gezeigt wird, also die Spieler wirklich in die Rollen ihrer Charaktere schlüpfen. Auch aus diesem Part hätte man auch noch etwas mehr machen können, denn gerade für Rollenspieler, die Filme wie „The Gamers“ kennen, könnte dieser Teil ein wenig kurz ausfallen. Gegen Ende wird es dann ein wenig abgedreht, (ACHTUNG: SPOILER!) als Hildur von ihrem Ex-Freund entführt wird und die Perspektive in die Rollenspielsicht wechselt, um zu zeigen, wie ihre Freunde in Form ihrer jeweiligen Rollenspielcharaktere ihr zu Hilfe eilen.
Ich persönlich finde es einen für diesen Film akzeptablen Kunstgriff, um das Finale actionreich und (aber)witzig in Szene zu setzen, immerhin ist das Ganze eine Kommödie, die mit diversen Klischees spielt.
Fazit:
Astropia ist ein gelungener Film über Rollenspiel, der zeigt, daß unser Hobby auch positive Seiten hat, und darüber hinaus auch für „Normalsterbliche“ zugänglich bleibt. Von daher wundert es nicht, daß der Film in seiner Heimat Island sehr erfolgreich war.
Als zusätzliches Gimmick liegt dem Film übrigens ein Rollenspiel-Einführungsbüchlein bei und auf der DVD selber sind in PDF-Form die Einführungsregelwerke der verbreitetsten Rollenspiele Deutschlands – Das Schwarze Auge, Shadowrun und Cthulhu – mit dabei, damit auch Neulinge einmal ausprobieren können, wie es ist, in die Haut eines Helden zu schlüpfen.
4 von 5 Sternen.