Aliens vs. Predator 2

Selten haben meine Frau und ich einem Film so entgegengefiebert wie AvP2. Wir haben es uns dann auch nicht nehmen lassen und den lange ersehnten Streifen in der Vorpremiere am 26. Dezember angeschaut. Was ich gesehen hatte, musste ich allerdings erstmal verdauen, daher die Rezension ein wenig später.

Story:
Die Story ist recht schnell erzählt: Am Ende von AvP1 sammeln die Predatoren in der Antarktis ihren gefallenen Kameraden ein und fliegen ab. Was dort allerdings nur als Teaser zu sehen war, wird der Aufhänger des Sequels: Der unglückliche Predator war leider Opfer eines Facehuggers geworden, der den Tod des Wirtskörpers überlebt hat und – kaum ist das Raumschiff in der Umlaufbahn – aus dem Körper schlüpft, um unter der Besatzung Tod und Chaos anzurichten. Als unvermeidbare Folge davon stürzt das Raumschiff ab, und zwar mitten in Nordamerika. Leider hatten die Predatoren eine erkleckliche Anzahl von Facehuggern in Stasekammern dabei, die den Absturz nicht nur überleben, sondern auch gleich die heimische Fauna (also die Menschen) befruchten und so für Nachschub an Aliens sorgen.

Das bekommt auch ein einzelner Predator auf seiner Heimatwelt mit, und anstatt mehrere Artgenossen zu Hilfe zu holen, erkennt er sofort den Nervenkitzel, den diese Jagd mit sich bringen könnte, und bricht alleine auf, um die freilaufenden Aliens zu eliminieren. Leider ist er – dank interstellarer Zeitverschiebung – ein wenig zu spät dran, und so haben die findigen Aliens bereits ihren Weg in die Kanalisation einer nahen Kleinstadt gefunden, wo alsbald die Hölle auf Erden ausbricht und Menschen einmal mehr zeigen, zu wieviel Schwachsinn sie fähig sind, wenn sie in kopfloser Panik vor irgend etwas davonlaufen müssen.

Und als wäre das alles noch nicht genug, hat auch das aus dem Predator geborene „Predalien“ überlebt, welches die normalen Viecher an Intelligenz und Bösartigkeit noch bei weitem übertrifft….

Eindruck:
Als ich das erste Mal hörte, daß Alien vs. Predator verfilmt werden sollte, war ich sehr skeptisch. Als Fan beider Filmreihen kannte ich die Eigenheiten der Filme und ihrer „Helden“ bzw. „Monster“ natürlich genau, und diese aufeinander abzustimmen, ohne dabei eine der drei Parteien Aliens, Predatoren und Menschen komplett zu vernachlässigen, war ein anspruchsvoller Job. Der erste AvP-Film hat diesen nicht nur gut und plausibel gelöst, sondern auch eine Interaktion zwischen den Spezies ermöglicht, und so den Sprung von einem passablen zu einem guten Film geschafft, auch wenn noch ein Quentchen mehr drin gewesen wäre.

AvP2 wartet mit einer plausiblen Hintergrundgeschichte auf. Der Absturz des Schiffes als logische Konsequenz aus Teil 1 ist sehr gut nachvollziehbar. Es ist auch nur logisch, daß die Facehugger und Aliens auch nicht vor kleinen Kindern halt machen, um sich fortzupflanzen oder zu ernähren – es wäre im Gegenteil schon unglaubwürdig gewesen, dies nicht zu thematisieren. Es ist nachvollziehbar, daß nur ein einzelner Predator zu der Säuberungsaktion aufbricht, weil er das ganze als Herausforderung an seine jägerischen Fähigkeiten sieht, die zu beweisen die natürliche Lebensweise der Predatoren darstellt. Auch die Reaktionen der Menschen durch den ganzen Film hinweg sind nachvollziehbar. Die Panik und das (teilweise blinde) Vertrauen in die Regierung – alles macht Sinn, ist logisch, nachvollziehbar, glaubhaft.

Wenn ich das schon betone, dann muß ja auch ein „Aber“ kommen! Hier bittesehr:
Ich finde den Film einfach nur lahm! Ich fand die Alien-Filme, und das meiste gilt auch für AvP1, immer interessant, weil sie eben NICHT auf der Erde, NICHT in bevölkerungsreichen Gebieten, NICHT mit hauptsächlich „normalen“ Leuten gespielt haben. Die Aliens haben immer SPEZIALISTEN zerpflückt, und es mussten praktisch immer SPEZIALISTEN an ihre Grenzen gehen, um gegen die Viecher zu bestehen. Genauso bei Predator 1, der einen Elite-Rangertrupp oder Predator 2, der einen Elite-Polizei/FBI-Trupp zerlegt.

Und hier, bei AvP2, geht es gegen stinknormale Menschen. Und die überleben sogar noch zum Teil! Klar, sie werden dezimiert, und dazu noch total sinnlos! Es sah zwar cool aus, wie der Predator zwei menschlichen Idioten die Köpfe wegballert, aber war es notwendig? Nein! Und war es notwendig, daß die Freundin des Protagonisten in das coole Wurfmesser des Predators hineinläuft und stirbt? Nein! Und ich könnte weitermachen mit solchen Beispielen.

In diesem Film kommen Menschen, Aliens und Predatoren vor, aber bis auf ein wenig Geballere bleibt der Predator recht farblos und für sich. Und seine Interaktion mit den Menschen beschränkt sich auch darauf, einige von ihnen umzubringen. Hallo? Ich wollte nicht einen Film sehen, wo halt alle drei Spezies vorkommen, ich wollte einen Film sehen, wo alle drei Spezies miteinander interagieren! Doch das habe ich irgendwie vermisst. Stattdessen langweilt der Film mit der verkorksten Beziehung eines Pizzalieferanten zu seiner Möchtegern-Highschool-Freundin, die ihr Hirn den ganzen Film über konsequent ausgeschaltet lässt und deren unnötiger Tod einen daher auch nicht wirklich berührt. Oder mit der problematischen Beziehung zwischen der Army-Soldatin und ihrem Kind, das vom Vater aufgezogen wurde. Kaum taucht das Alien auf, ist die Entfremdung zur Mutter vergessen und das Kind folgt ihr überallhin.
Wenn es eh keine Rolle spielt, wozu für die Hintergrundstory dann Filmminuten opfern, von denen es eh zuwenige gibt?

Fazit:
Praktisch alles, was an AvP1 gut war, wurde bei der Fortsetzung konsequent ignoriert oder entfernt, so daß nur noch ein unterdurchschnittlicher „Außerirdische Monster legen amerikanische Kleinstadt in Schutt und Asche“-Film dabei rauskommt. Sowas hat man schon oft genug gesehen und kann es eigentlich auch oft genug vergessen. Unwillkürlich musste ich AvP2 mit dem trashigen „Klassiker“ „Critters“ vergleichen, wobei letzerer noch ein wenig Humor hatte, da er sich selbst zu keinem Zeitpunkt völlig ernst nimmt.
Ja, AvP2 ist ziemlich realistisch und plausibel gemacht, aber vielleicht ist genau das die große Schwäche des Films: Er bemüht sich mehr um Realismus und Plausibilität und vermeidet es konsequent, ordentliche Spannung aufzubauen. Auch die Protagonisten sind nicht wirklich Identifikationsfiguren, auch wenn sich der Regisseur Mühe gegeben hat, ihre von Schicksalsschlägen gebeutelten Leben als Sympathiefaktor einzubringen. Der Funke will bei mir einfach nicht überspringen.
Das Predalien wäre allein schon einen Film wert gewesen, aber dieses taucht nur in wenigen Szenen auf und fristet ebenfalls ein Randgruppendasein, genauso wie sein Gegenstück, der einsame Predator, der zwar einige coole Szenen hat, aber in manchen Szenen auch irgendwie deplatziert wirkt.

Ich bin sehr enttäuscht von Aliens vs. Predator 2. Für diesen lahmen Film gebe ich daher nur 2 von 5 Sternen.

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