Schwerter des Königs – Dungeon Siege

Vor einigen Tagen war ich mal wieder im Kino und hab mir Dungeon Siege angetan. Nachdem ich das Spiel zumindest mal ein Stück weit gespielt hatte, war ich natürlich recht interessiert, zu sehen, wie das Ganze umgesetzt wurde. Regisseur Uwe Boll steht ja in dem Ruf, bereits mehrere Game-Adaptionen verhunzt zu haben, und ich war gespannt, ob er seinem Ruf wieder gerecht wurde.

Story:
Der Bauer „Farmer“ lebt friedlich mit Frau und Kind auf seinem eigenen Bauernhof in einem entlegenen Winkel des Landes Ehb. Doch die Idylle wird eines Tages jäh gestört, als bewaffnete Horden der Krugs einfallen und mordend und brandschatzend eine Spur der Verwüstung ziehen. Auch die Familie von Farmer wird nicht verschont, seine Frau entführt und sein Sohn getötet. Der Bauer mit der mysteriösen Vergangenheit und den hervorragenden Kampfkünsten schwört blutige Rache.

Wie sich herausstellt, steckt der üble Schwarzmagier Gallian hinter der plötzlichen Kampfeslust der primitiven Krugs, und auch der Neffe von König Konreid hat es recht eilig damit, den Thron von seinem Onkel zu übernehmen. Derweil rüstet sich Farmer zusammen mit seinem treuen Freund Norrik und dem königlichen Hofmagier Merick, der als Einziger die wahre Herkunft Farmers kennt, zum finalen Kampf. Eine gewaltige Schlacht entbrennt…

Eindruck:
Fangen wir mit dem Wiedererkennungswert gegenüber dem Spiel an. Der Einstieg in den Film ist fast genau so gehalten wie im Spiel: Man startet als einfacher Farmer im hinterletzten Winkel von Ehb, wird plötzlich überfallen und muß sich durch die Wildnis zu seinen Nachbarn durchkämpfen und diese vor den Horden der Krugs beschützen. So weit, so gut. Ab hier geht der Film dann aber größtenteils andere Wege und präsentiert einen recht actionlastigen Verlauf der Reise Farmers, sowie immer wieder zwischendurch die Fährnisse der anderen Protagonisten. Neben ein- zwei Anspielungen auf Örtlichkeiten aus dem Spiel, bleibt die Handlung aber recht oberflächlich.

Das ist in diesem Fall sowohl wörtlich, als auch im übertragenen Sinne zu verstehen. Im Gegensatz zum Spiel Dungeon Siege, bei dem man oft stundenlang durch irgendwelche „kleinen“ Dungeons kriecht, um z.B. am Ende 100 Meter hinter einer eingestürzten Mauer wieder aufzutauchen, spielt fast die gesamte Handlung des Films oberirdisch. Lediglich die Festung des Schwarzmagiers ist ein Dungeon, aber auch bei diesem kommt nicht wirkliches „Dungeon-Feeling“ auf. Ob das schlimm oder gut ist, muß jeder selber entscheiden.

Die Handlung an sich ist aber auch recht simpel und folgt eigentlich so ziemlich allen gängigen Fantasy-Klischees seit der Erstausgabe von Herr der Ringe: Der Held will eigentlich nur sein einfaches Leben leben, seine Familie wird dezimiert, seine Frau entführt, er versammelt Gefährten um sich, die ihm helfen, ihm wird offenbart, daß er ein noch bedeutenderes Schicksal zu erfüllen hat, als nur Bauer zu sein etc. Nebenbei ist eine Verschwörung zum Sturz des Königs im Gange, ein verwunschener Wald mit seltsamen Bewohnern spielt eine Rolle, ein böser Schwarzmagier, der einfach nur machtgierig ist, will die Welt unterwerfen und bedient sich dabei geistig minderbemittelter Wesen, die er vollkommen unter seiner Fuchtel hat und sein Versteck ist eine riesige Minenanlage in einem Berg. Hat man alles schonmal irgendwo gehört, gelesen oder gesehen.

Kommen wir zur Optik. Die ist wirklich grandios geworden. Die Zaubersprüche der Magier sind ansprechend umgesetzt worden, die imposanten Landschaften und Bauwerke sind stimmungsvoll in Szene gesetzt (und entsprechen auch in etwa den Designs aus dem Spiel), und dank schneller Schnitte und interessanter Kampfchoreographien kommt auf jeden Fall die Action immer gut rüber.

Die Riege der Schauspieler liest sich wie ein Who-is-Who der besten Action- bzw. Abenteuerfilme: Jason Statham, Ron Perlman, Burt Reynolds, Ray Liotta und nicht zuletzt John-Rhys Davies sind eigentlich Schauspieler der Spitzenklasse. Also müsste der Film demzufolge auch Spitzenklasse sein, oder?
Naja, nicht so ganz. Die Optik, die Actionszenen und die Schauspieler können leider nicht über eine ausgelutschte Story hinwegtäuschen, die bar jeglicher Kreativität oder Überraschungen ist. Einige Teile der Story wirken darüber hinaus noch sehr konstruiert, und die Abstammung von Dungeon Siege ist dem Film auch nur bruchstückhaft anzumerken. Man müsste einfach nur die Namen austauschen und hätte einen x-beliebigen Fantasyfilm ohne Bezug zu irgend einer vorhandenen Spielwelt.

Fazit:
Mit einem besseren Drehbuch (und Regisseur) hätte der Film das Potential zu einem echten Hit gehabt. Schauspieler, Kostüme, Ausstattung, Kulissen, Effekte, Choreographie sind alle top, können den Film insgesamt aber leider nicht vor dem Abrutschen ins Mittelmaß retten.
Wer einen actionlastigen Fantasyfilm mit toller Optik sehen will und keine hohen Ansprüche an Story stellt, ist mit Dungeon Siege jedoch bestens bedient.

3 von 5 Sternen.

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