Star Wars – Dark Empire

Als ich vor einiger Zeit anfing, die „Jedi Academy Trilogy“ von Star Wars zu lesen, musste ich feststellen, daß nicht unwesentliche Teile des Hintergrunds dieser Romane auf die Ereignisse des „Dark Empire“ Comics verweisen. Irgendwie traf es sich wohl gut, daß gerade die Neuauflage von Dark Empire in zwei Bänden unter dem Label „Star Wars Essentials“ veröffentlicht wurde.

Story:
Im Wesentlichen teilt sich Dark Empire in 3 Abschnitte: Dark Empire 1, Dark Empire 2 und Empire’s End.

In Dark Empire 1 sind die Rebellen gerade dabei, die imperiale Thronwelt (der Name „Coruscant“ fällt dabei nicht direkt, aber um diesen scheint es sich zu handeln) einzunehmen, als ein Strudel aus dunkler Macht Luke Skywalker erfasst und zum Planeten Byss im Zentrum der Galaxis entführt. Dieser Planet ist die am stärksten befestigte imperiale Basis überhaupt und hier trifft Luke auf den Imperator – genauer gesagt auf einen Klon des Imperators. Dieser hatte den von der Dunklen Seite der Macht besessenen Geist des Imperators aufgenommen, nachdem sein vorheriger Körper an Bord des zweiten Todessterns von Darth Vader vernichtet worden war. Luke erkennt, daß er den Imperator nur dann vollständig auslöschen kann, wenn er sich ganz der Dunklen Seite hingibt und ein Diener des Imperators wird, so wie sein Vater vor ihm.
Als Leia, die mittlerweile mit ihrem dritten Kind schwanger ist, davon erfährt, überredet sie Han Solo, eine Rettungsmission für Luke nach Byss zu starten. Unterdessen kämpfen Lando Calrissian und Wedge Antilles gegen furchterregende neue Kriegsmaschinen des Imperiums namens „Weltenvernichter“ (World Devastators), die gerade dabei sind, die friedliche Welt Mon Calamari dem Erdboden gleichzumachen.

In Dark Empire 2 erkennt Luke nach seiner Erfahrung mit der Dunklen Seite, daß er als letzter überlebender Jedi Meister nun dringend Schüler ausbilden sollte, um den Fortbestand der Jedi zu sichern. Gleichzeitig begibt sich Leia auf die Suche nach einer alten Frau, die sie als die Jedi Vima da Boda identifiziert hatte. Währenddessen hat der Imperator, der ein weiteres Mal überlebt hat, sowohl eine eigene Truppe dunkler Jedi ausgebildet, als auch ein neues Galaxisgeschütz bauen lassen, das Projektile durch den Hypperraum verschießt und damit ganze Welten zerstören kann. Während eine Rebellentruppe um Wedge Antilles und Lando Calrissian versucht, über eine Gruppe „troianischer“ Kampfroboter in die Festung des Imperators einzudringen, müssen sich Luke, Leia und Co. gegen die dunklen Jedi zur Wehr setzen, die nur ein Ziel kennen: Leias Kinder dem Imperator zu bringen.

In Empire’s End wird die Story aus Dark Empire 2 weitergeführt und nach der Geburt von Anakin Solo bahnt sich ein finaler Showdown an: Imperator Palpatine ist geschwächt, da sein letzter verfügbarer Klon genetisch instabil ist und rapide zerfällt. Seine einzige Rettung wäre die Übernahme des Körpers von Anakin Solo, und dafür ist ihm jedes Mittel recht. Skywalkers Jedi-Schüler stellen sich ihm entgegen, doch können sie seiner Macht widerstehen und Anakin retten?

Eindruck:
Zuallererst einmal war ich schockiert, als ich den Dark Empire Comic das erste Mal aufschlug. Ich war schöne, helle, bunte Comics aus der Star Wars Reihe gewohnt, und Dark Empire hat einen radikal anderen Zeichenstil: Die Panels sind recht detailliert gezeichnet und dann aber großflächig, manchmal seitenfüllend, mit einer dunklen und einer helleren Farbe koloriert, die in Nuancen noch abweichen und den Charakteren und Schauplätzen so ein düsteres, bedrückendes Flair verleihen. Allein schon durch diesen Zeichenstil wird der Comic seinem Namen gerecht und pinselt ein extrem dunkles, bedrohliches und gewalttätiges Kapitel dieser Saga. Definitiv nicht mein Stil, auch wenn optisch einige interessante Designs vorkommen.

Kommen wir  zur Erzählweise. Ein weiterer Irritationsfaktor ist es, daß manche Nebenhandlungen nur kurz in Textboxen erzählt werden, obwohl sie schon wichtig und interessant gewesen wären. Dazwischen sind manchmal seitenfüllende Panels, die düstere, stimmungsvolle Dinge zeigen, aber an sich nicht selbst erklärend sind, so daß hier ebenfalls recht viel mit Textboxen gearbeitet wurde. Und manchmal werden auch die Haupthandlungsstränge nochmals mit Textboxen parallel zum Bild erzählt.
Hallo? Ich wollte einen Comic lesen, und keinen Roman! Wenn man zwar fesselnde, dunkle Bilder malen kann, die Story aber teilweise so verworren ist und den Bildern förmlich davoneilt, dann ist doch irgendwo grundsätzlich was schiefgegangen, oder? In einem Comic sollte soviel Information wie möglich optisch mit Bildern transportiert werden, und nicht alles in Textform erklärt werden müssen, sonst könnte man auch einen Roman mit Illustrationen draus machen. Und ich vermisse eine gewisse Dynamik in den Bildern. Alles scheint immer so zäh und stillstehend zu sein, selbst angedeutete Bewegungslinien wirken statisch.

Und nun zum Inhalt:
Chronologisch sollte Dark Empire nach der Romantrilogie „Erben des Imperiums“ von Timothy Zahn spielen und vor der „Jedi Academy Trilogy“ von Kevin J. Anderson. Im Comic hat die „Rebellion“ aber noch nicht die Neue Republik ausgerufen, noch nicht Coruscant eingenommen, sondern versteckt sich in einer kleinen Basis auf einem Mond. Luke Skywalker ist plötzlich ein Jedi Meister, weiß der Geier, woher. Der Imperator hat so große Machtkräfte, daß er problemlos Luke Skywalker mit einem Machtsturm quer durch die halbe Galaxis transportieren kann und ist quasi unsterblich, da er seinen Geist auf neue Klone seines Körpers transferieren kann. Mit einem einzigen Wink kann er ein Machtinferno entfachen, welches Dutzende Leute auf einmal zerfetzt. Und so weiter.
Ja, es ist ein Comic. Ja, in Comics werden manche Dinge etwas überspitzt gezeichnet gegenüber der Realität. Aber dieser Comic macht mir den Anschein, daß a) sehr schlampig recherchiert wurde und b) diese überdrehten Kräfte hauptsächlich der Effekthascherei dienen. Star Wars sollte wohl noch düsterer, noch dramatischer und noch gewaltiger wirken, und das ist dem Zeichner und Autor auch voll gelungen. Ob Star Wars dadurch „besser“ geworden ist, muß jeder für sich selber entscheiden, für mich definitiv nicht.
Interessanterweise habe ich irgendwo gelesen, daß der Dark Empire Comic offiziell NICHT als Teil des Expanded Universe anerkannt wurde, somit kann jemand, der um die Kontinuität von Star Wars bangt, diesen wenig rühmlichen Teil getrost überspringen und vergessen.

Ein Gimmik am Rande ist mir noch aufgefallen: Die Schlacht um Mon Calamari gegen die Weltenvernichter und mit den neuen Angriffs-Gleitern der Rebellen kann man im Teil 1 des Videospiels „Rogue Squadron“ auf dem Nintendo 64 oder dem PC nachspielen. Dieses ist recht schön gemacht und bietet auch eine schönere (und weniger hoffnungslose) Optik als der Comic.

Fazit:
Dark Empire enthält einige faszinierende Zeichnungen, einen sehr gewöhnungsbedürftigen Zeichenstil, sowie etliche fragwürdigen Handlungen, Personen und „Dinge“, die sich mit dem „offiziellen“ Star Wars Universum ziemlich beissen. Daher ist dieser Comic auch nur für wirklich hartgesottene Star Wars Fans zu empfehlen, die alles haben müssen, wo Star Wars drauf steht, und die der Kontinuität keine allzu große Bedeutung beimessen.

1 von 5 Sternen.

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.